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Kultur- und Nachbarschaftszentrum

Pressespiegel 2000

Das Jahr 2000

Lokalanzeiger – 23. November 2000

Regionale Informationen für Friedrichshain, Kreuzberg, Mitte, Prenzlauer Berg, Tiergarten und Wedding

Klönen bei "RuDi"

Der Kiezladen Am Rudolfplatz gibt sich diese Tage französisch und musikalisch (von Hanne Walter)

Friedrichshain - Einen besseren Rahmen, die neue Generation des Beaujolais zu genießen, hätten sich die "RuDi"-Gäste des Abends kaum wünschen können:

Passend zum frischen Tropfen waren sämtliche Wände mit stimmungsvollen Frankreich-Fotos drapiert.

Frühlings-Enzian und grandiose Gletscher, Serpentinen, die geradewegs ins Meer zu führen scheinen, Menschen und Landschaften, in deren Antlitz die Zeit sichtbar Spuren gegraben hat, und atemberaubende Blumenteppiche weckten Lust auf eine Tour abseits ausgelatschter Touristenpfade.

Das glückliche frankophile Zusammentreffen war natürlich purer Zufall. Nicht zufällig hingegen wurde eine Ausstellung eröffnet. Das geschieht regelmäßig alle vier bis sechs Wochen. Die Fotografien aus der Bretagne, der Provence und den französischen Alpen hängen schon als 46. Schau seit Bestehen des Ladens. Obendrein ist es die 10., die ein Nachbar aus dem Kiez gestaltet hat. Horst Buerschaper, der voller Selbstironie sein gehängtes Werk als Fotokalender eines naiven Enthusiasten bezeichnet, wohnt gleich um die Ecke in der Modersohnstraße. Seit Jahren gehört er zu dem Stamm der Besucher, die kaum eine Ausstellung, ein Konzert, einen Vortrag auslassen; schließlich hat die Gegend sonst kaum mehr an Kultur zu bieten.

Wenn RuDi nicht gerade zu Höhepunkten einlädt, ist der ehemalige Mach-Mit-Stützpunkt, in dem sich renovierungswillige DDR-Bürger Farbe und Tapeten holten, ein prima Ort, im Kreise Gleichgesinnter zu frühstücken, dem Computer näher zu kommen, sich an Gesprächsgruppen zu beteiligen, in Mietfragen aufklären zu lassen, Gymnastik zu treiben oder einfach zu verschnaufen. Bei der Gelegenheit Neues aus dem Eck zu erfahren und vielleicht auch gleich noch seine Bewerbung ordentlich abzuschreiben und alles Nötige dazu abzulichten.

RuDi gibt dem Kiez, der von Veränderung und permanentem Wegzug gekennzeichnet ist, einen willkommenen Anlaufpunkt und Halt. Das siebenköpfige Team koordiniert Projekte von der Kinder- bis zur Seniorenarbeit, kümmert sich um soziale Beratung und Betreuung und mischt sich voller Ideen in Fragen der Stadtentwicklung ein. Schließlich geht es um nichts Geringeres als die Lebensfähigkeit eines Quartiers. Das aber trotz Abriss der Modersohnbrücke und nicht immer ansprechender Altbausubstanz, trotz von Schließung bedrohter Kitas und Schulen durchaus liebens- und sehenswerte Seiten hat. Zu den stadtbekannten Schmuckstücken gehören die Oberbaumbrücke, der U-Bahnhof, die Zwingli-Kirche, das historische Abwasserpumpwerk, die denkmalgeschützten Gebäude der Oberbaum City und die reizvolle Halbinsel mit dem ältesten Volksfest Berlins, dem Stralauer Fischzug.

Ehe der Beaujolais alt wird, passt er ein weiteres Mal ausgezeichnet zu einer Veranstaltung des Kiezladens:

Heute wird das 6. Akkordeonfest von dem französischen Akkordeonvirtuosen Jean Pacalet eröffnet. Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr in der Kanalbetriebsstelle der Berliner Wasserwerke, Rudolfstraße 16. Eintritt 10, ermäßigt 6 Mark.


Neues Deutschland, Berlin-Ausgabe – 23. November 2000

Friedrichshain

6. Akkordeonfest

Das Friedrichshainer Akkordeonfest, von "RuDi" - der Stralauer Kiezladen" organisiert, entwickelt sich zu einer guten alljährlichen Tradition. Schon das 6. Treffen in ununterbrochener Reihenfolge findet in diesem Jahr von heute bis 26.November rund um den Rudolfplatz in Friedrichshain statt. Da zu allen Konzerten nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen zur Verfügung steht, ist eine Voranmeldung zu empfehlen. Rückfragen unter Te. 292 96 03.


Berliner Wochenblatt – Lokalzeitung Friedrichshain 22.11.2000

Asbest neben der Kita kommt weg / Das NARVA-Bürohaus wird abgerissen

Friedrichshain.
Endlich Bewegung in der Danneckerstraße: Das seit zehn Jahren leer stehende NARVA-Bürohaus wird abgerissen. Zuvor muss jedoch die Asbestverkleidung entsorgt wird.

Da das Bürohaus direkt neben einer Kita steht, organisierte Eberhard Tauchert von Rudis Kiezladen mehrere Info-Veranstaltungen. "Wir waren davon ausgegangen, dass beim Reizwort Asbest bei vielen die Alarmglocken schrillen. Dem wollten wir eine Informationsoffensive entgegen setzen."

Groß war das Interesse nicht:

Zwischen vier und acht Zuhörern kamen zu den Veranstaltungen, auf denen Abriss-Bauleiter Thomas Prötter über die Problematik aufklärte. Vielleicht beruhte das geringe Interesse ja auch darauf, dass es sich bei der Asbestverkleidung um eine harmlose Variante im Vergleich zum Spritzasbest handelt. Das alte Gebäude ist mit einer Asbest-Zement-Fassade verkleidet. Die sind in Plattform an der Hauswand fest geschraubt.

Mehr zur Asbestsanierung im Beitrag "Narva-Haus wird abgerissen" auf Seite 3.

NARVA-Haus wird abgerissen
Bauleiter verspricht: "Der Asbest stellt keine Gefahr dar"

Beim Abriss des asbestbelasteten Narva-Bürohauses in der Danneckerstraße sollen keine Krebs verursachenden Fasern frei werden.

"Wir verwenden keine Trennschleifer und zersägen auch nichts", so der für die Asbestsanierung zuständige Bauleiter Thomas Prötter. "Die Asbestfasern sind in den abgeschraubten Platten gebunden." Außerdem würden bei Bruch keine Fasern frei. Schon deshalb sei die Faserkonzentration so gering, dass keine Gefahr bestünde. Um beim Schrauben Faserflug zu vermeiden, würden die entsprechenden Teile vor Demontage zusätzlich mit Wasser benetzt. "Auf der Kita-Seite ist das Gerüst zudem durch eine Plane eingekleidet", so Prötter.

"Ein Schandfleck"

Rundum glücklich über den Abriss des Bürohauses ist Kita-Leiterin Marianne Koch. "Leute hausten in dem Gebäude und kloppten tagsüber von innen die Scheiben raus. Die benachbarte Wiese war deshalb für unsere Kinder nicht mehr nutzbar", berichtet sie. "Drinnen und draußen wurde laufend Unrat abgeladen." Das Haus sei ein Schandfleck gewesen und habe dadurch erst recht bei Kindern die Neugier geweckt."

Auch herumliegende Spritzen und Kanülen sorgten für die teilweise Sperrung des Kitageländes. Vor der Demontage war eine Menge Sperrmüll im und um das NARVA-Haus zu entsorgen. Und noch ein Umstand freut die Kita-Leiterin: "Eine Neubebauung des Grundstücks ist vorerst nicht vorgesehen.


Neues Deutschland, Berlin-Ausgabe – 06. Juli 2000

Blechgeigentöne in RuDis Laden

RuDi, der Stralauer Kiezladen am Friedrichshainer Rudolfplatz 5, Tel.: 693 49 73, zeigt bis zum 16. Juli die Fotoausstellung "Lebensbilder". Es sind über 70 Reisebilder von Annegret Klemens aus dem heutigen rumänischen Alltag. Darunter ist das Foto mit Dumitru Taki Vrincianu. Heute um 19.30 Uhr ist bei RuDi der Geiger Vrincianu zu Gast. Der Musiker aus dem rumänischen Dorf Berzunti ist Autodiadakt. In dreijähriger Arbeit hat er sich sein Instrument aus verzinktem Blech gebaut. Nun lebt er vom Musizieren. Der heute 77-jährige spielte früher im Dorfladen Akkordeon und reparierte für andere Leute Musikinstrumente. Erst ab 1992 wagte er sich mit seiner Blechgeige an die Öffentlichkeit. Er spielt Volksmelodien und singt dazu seine eigenen Texte.


Berliner Abendblatt – Friedrichshain – 05. Juli 2000

Stillleben mit Menschen - wo die Zeit stehen geblieben ist
"Salz im Brot" - Fotoausstellung im RuDi, der Stralauer Kiezladen

Friedrichshain
Im RuDi, dem Stralauer Kiezladen, am Rudolfplatz 5, wird seit einigen Wochen die Fotoausstellung der Künstlerin Annegret Klemens gezeigt. Zu sehen sind Bilder aus Rumänien, die den Betrachter nachdenklich machen.

"Das Salz im Brot" ist mit handgeschriebenen Buchstaben auf dem Deckblatt zu lesen. Zwei Frauengesichter lugen durch das Passepartout aus einem Foto. Unweigerlich schlägt man die Einladung auf. Der Text eines Märchens erläutert den Titel der Ausstellung Annegret Klemens, Mitarbeiterin des Antikriegsmuseum/Friedensbibliothek, wählte die ausdrucksstärksten Fotografien von ihren Reisen nach Rumänien (1995-1999) für diese Ausstellung. Über 70 Bilder, die Menschen in ihrem alltäglichen Umfeld zeigen, sind zu besichtigen Schwarzweißfotografien von korbflechtenden Zigeunern, vom Töpfer, der Frau am Holzwebstuhl, gemischt mit Farbfotografien von "Gewerken" einer vergangen scheinenden Welt - Stillleben mit Menschen! Bilder, aus einem Land, wo die Zeit stehen geblieben scheint.

"Die Bilder sprechen für sich. Viele Dinge sind nicht in einem Begriff zu erfassen", so die Fotografin. "Rumänien ist arm. Trotzdem gibt es viele Menschen, die glücklich und zufrieden leben. In der Gelassenheit der Menschen, nicht vergleichbar mit unserer Hektik, fand ich erst die Ruhe, diese Fotos zu schießen."


Berliner Abendblatt – Friedrichshain – 05. Juli 2000

Zauberhafte Melodien aus einer selbstgefertigten Violine
Konzert mit dem Geigenspieler Dumitru Taki Vrincianu

Die Parabel:
"Die Märe von einem Menschen aus einem Dorf ..." und der zivilisations- kritische Text: "Ich weiß, ... Nämlich der östliche Reichtum und die westliche Armut" laden zu einem kurzen Verweilen und Nachdenken ein. Die Zitate unterstreichen das wertvolle Ansinnen der Ausstellung. Ihre Bilder haben eine eigene Sprache. Eine Kraft, die den Betrachter in seinen Bann zieht. Sie wirken befremdlich in unserer schnelllebigen Zeit. Dennoch scheinen sie märchenhaft und zeigen gleichzeitig die Wirklichkeit.

Am 6. Juli, um 19.30 Uhr, findet ein Geigenkonzert mit Dumitru Taki Vrincianu statt. Der rumänische Dorfbewohner lebt vom Geigespielen. Er besitzt eine selbst gefertigte Violine aus verzinktem Blech. Dumitru und die Fotografin begegneten sich zum ersten Mal auf einem Handwerkermarkt in Sibiu/Hermannstadt. Eine Freundschaft entstand.

Der 77-jährige spielte früher Akkordeon und reparierte Musikinstrumente für Zigeuner. Durch sie lernte er die Geige kennen und lieben. Vor acht Jahren wagte er den ersten Versuch in der Öffentlichkeit. "Ich konnte nie nach Noten spielen und kenne keine Tonarten. Ich habe immer nach Gehör und nach dem Herzen gespielt.

Das Wissen, diesem Instrument eine Melodie zu entlocken, kam mir einfach zu", so Dumitru über sich selbst. Und so spielte er seine eigene Art von Musik, nutzte bekannte Volksmelodien und verfasste seine eigenen Texte. In Rumänien ist er auch als der "Orchestermensch" bekannt. Neben der Geige spielt er mit dem Fuß ein blechernes Schlagzeug, singt und bläst geschickt auf Fischschuppen. Er trat damit auf internationalen Festivals auf, kürzlich auch auf der EXPO.

Das Konzert des Künstlers ist der Auftakt zur Verlängerung der Fotoausstellung bis zum 16. Juli.

Infos unter Tel.: 2 92 96 03.


Berliner Zeitung - 14.06.2000

Friedrichshain

Experten antworten in der Zwinglikirche

Fachleute des Tiefbauamtes beantworten am heutigen Mittwoch zwischen 16 und 19 Uhr in der Zwinglikirche am Rudolfplatz Fragen von Anwohnern. Ein Thema ist, ob angesichts des hohen Verkehrsaufkommens im Kiez eine Parkraumbewirtschaftung angebracht wäre. Außerdem soll über die Modersohnbrücke gesprochen werden. Die Brücke, die vom Rudolfplatz über die Bahngleise bis zur Revaler Straße reicht, wird derzeit für rund zehn Millionen Mark neu gebaut. Mitte des Jahres 2002 soll sie für den Autoverkehr wieder befahrbar sein. In der Zwinglikirche ist darüber hinaus eine Ausstellung zu sehen, in der die Entwicklung des Spreeufers sowie die Oberbaum City vorgestellt werden. Interessenten, die an den Öffnungszeiten mittwochs keine Zeit haben, können im Kiezladen "Rudi" Besuchstermine vereinbaren. Tel. 2 92 96 03.


Berliner Zeitung – 22.05.2000

Friedrichshain

Erster Spielplatz gemeinsam gestaltet

Der Spielplatz auf dem Rudolfplatz ist der erste, der von den Fusionspartnern Friedrichshain und Kreuzberg gemeinsam umgestaltet wurden. Pläne dafür kamen von einer örtlichen Elterninitiative und einem Bürgerverein. Sie wollten, dass der Platz, der bislang vor allem für Kleinkinder eingerichtet war, auch für größere Kinder geeignet ist. Dafür stellten sie mit Hilfe von Experten in der vorigen Woche einen etwa fünf Meter hohen Kletterturm mit Riesenrutsche auf. Das Kreuzberger Grünflächenamt wechselte den Sand aus, die benachbarte Oberbaum City half mit neuen Gehwegplatten. Am kommenden Freitag wird der neue Spielplatz mit einem Anwohnerfest eingeweiht.


Berliner Wochenblatt - Lokalzeitung Friedrichshain Mai 2000

TOP Adressen
Mit Kuscheltieren zum Feuerwehrfest

Am Sonnabend, 27. Mai, findet das 7. Friedrichshainer Feuerwehrfest in der Kita Rudolfplatz, Rudolfstraße 15a, und in der Kinderfreizeiteinrichtung "Die Nische" am Rudolfplatz 15a statt.

Die seit 1994 jährlich stattfindende Aktion ist Höhepunkt eines langfristigen Projekts, bei dem sich Kinder mit dem Thema "Wie gehe ich mit Gefahren um?" beschäftigen. Dabei wird ihnen spielerisch und anschaulich vermittelt, wie man sich in bestimmten Situationen verhält und welche Aufgaben die Rettungsdienste der Feuerwehr erfüllen.

Im Rahmen des Festes übergibt Jugendstadtrat Joachim Kohl wieder Kuscheltiere an die Feuerwehr. Diese Kuscheltiere wurden von den Kita-Kindern gesammelt und sind für Kinder gedacht, die Opfer eines Unfalls werden und ins Krankenhaus müssen. Die Rettungswagen haben die Kuscheltiere als "Trostpflaster" bei ihren Einsätzen dabei. Außerdem präsentiert die Feuerwehr am Sonnabend ihre Fahrzeuge, die Kinder können den Männern bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen und selbst aktiv werden. Das Fest findet von 9 bis 14.30 Uhr statt und bietet zahlreiche Aktionen und Aktivitäten, an denen die Kita am Wasserturm, "Die Nische", Rudis Kiezladen und die Hauptschule Eckertstraße beteiligt sind.

Bei einer Tombola winkt als Hauptpreis eine Reise für zwei Personen.

Zum krönenden Abschluss des 7. Feuerwehrfestes Friedrichshain wird gegen 14.30 Uhr der neu gestaltete Rudolfplatz feierlich übergeben. Elterninitiative, die Grünflächenämter Kreuzberg und Friedrichshain und die Oberbaum-City ermöglichten die Neugestaltung des Platzes.


Berlin – Das Magazin für Stadtleben und Kultur Nr. 3/2000

Oberbaum City – Wo Anwohner und Bauherren gemeinsam feiern

Der Berliner Büro-Immobilienmarkt ist hart umkämpft. Makler und Projektentwickler lassen sich immer neue PR-Ideen einfallen, um die Vermarktung ihrer Objekte anzukurbeln. Bei all den gut durchdachten und aufwendigen Strategien, die Vermieter entwickeln, um ihre Immobilien mit Leben zu füllen und die getätigten Investitionen rentabel zu machen, entsteht unweigerlich die Frage: Was tun die Unternehmen eigentlich für jene, die schon da sind und schon immer da waren - Die Anwohner?

Irgendwann nach 20 Uhr wird es richtig heiß am Rudolfplatz. Das liegt nicht daran, dass die Sonne noch einmal zwischen der Häuserschlucht hervorlug und ihre letzten warmen Frühlingsstrahlen aussendet. Und es liegt auch nicht daran, dass ein Feuerschlucker beim Anwohnerfest seine Künste vorführt. Es liegt an den Brasilien Follies. Die vier Damen und zwei Herren, allesamt rassige Südamerikaner und wahre Bewegungskünstler, bringen die Bewohner des Rudolfkiezes in Friedrichshain an diesem Freitag kräftig in Schwung. Zum einen lassen die Sambarhythmen kaum einen Besucher regungslos auf seiner Bank sitzen. Zum anderen sorgen die farbenprächtigen Kostüme, die vor allem bei den Tänzerinnen viel nackte Haut durchblicken lassen, dafür, dass ein Hauch von Karnevalsstimmung aus Rio herüberschwappt und die sonst so faschingsmuffligen Berliner an der Bühne ganz automatisch ihre Körper mitschwingen lassen. Der Auftritt der Brasilien Follies ist, gewertet an der Begeisterung der Gäste, unbenommen der Höhepunkt des Festes. Der Veranstalter hat die Anwohner jedoch nicht nur zum Feiern eingeladen. Er will auch informieren über die neuesten Entwicklungen und Entscheidungen seinerseits, die die Menschen im Kiez unmittelbar berühren. Denn der Veranstalter ist die HVB Projekt GmbH, die gleich nebenan die ehemalige NARVA-Glühlampenfabrik, die jahrzehntelang für viele der Anwesenden Arbeitsstätte war, zur Oberbaum City, einem modernen Büro- und Dienstleistungsstandort, umgewandelt hat.

Gisbert Dreyer, Geschäftsführer der HVB Projekt GmbH, der für diese Veranstaltung aus München eingeflogen ist, berichtet in der gut besetzten Zwingli-Kirche vom derzeit ereichten 80-prozentigen Vermietungsstand und über den Fortschritt der Planungen für die Neubauten, die in der Oberbaum City noch errichtet werden sollen. Der Anbau an den sanierten und aufgestockten NARVA-Turm soll noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden. Und da, wo sich heute noch ein Parkplatz befindet, sollen laut Dreyer in spätestens drei Jahren zwei weitere Gebäude das Gesamtensemble vervollständigen. Bisher waren für diesen Neubau Wohnungen geplant. Das neue Nutzungskonzept sieht jedoch weitere Büros, einen Hotelbau und ein Parkhaus vor, da die Parkmöglichkeiten in der Oberbaum City auf längere Sicht nicht ausreichen werden. Solche Neuigkeiten sorgen für Diskussionsstoff in der Kirche, aber Diskussionen sind vom Veranstalter und von der ebenfalls anwesenden Bezirksstadträtin für Bauen und Wohnen, Martina Albinus-Kloss, die die veränderte Nutzung befürwortet und genehmigt hat, ausdrücklich erwünscht, um die Bürger in die Gestaltung ihres Viertels miteinzubeziehen. Aus diesem Grund hat die Bezirksbauverwaltung eine Ausstellung in der Zwingli-Kirche mitinitiiert, die über die baulichen und wirtschaftlichen Veränderungen im Spreeraum Friedrichshain, darunter auch jene in der Oberbaum City, informiert. Für die Eröffnung dieser Ausstellung bietet das Kiezfest einen idealen Rahmen. Mitorganisator des in diesem Jahr bereits zum vierten Mal stattfindenden Anwohnerfestes der HVB Projekt GmbH ist Eberhard Tauchert, Leiter von RUDIs Kiezladen, einer Nachbarschaftseinrichtung des Berlin-Brandenburger Bildungswerkes e. V. Er bewertet die Entwicklungen auf dem alten NARVA-Gelände für die Bewohner des Rudolfkiezes sehr optimistisch" Aus der Oberbaum City und von ihren Mietern entstehen für den Kiez positive Impulse. Die Leute hier können dort nicht nur spazieren gehen oder die sich jetzt langsam etablierende Gastronomie nutzen. Es wirkt auch anders herum. Die Mieter kommen in den Kiez, kaufen hier einige Dinge ein, die ersten haben in der Gegend eine Wohnung gemietet." Demnächst will Tauchert den Mitarbeitern der in der Oberbaum City ansässigen Firmen eine Führung durch den Kiez anbieten. Er hofft, dass sich daraus vielleicht weitere Anknüpfungspunkte für ein Miteinander ergeben. Derzeit ist er selbst einmal sehr froh darüber, dass die HVB Projekt GmbH seinen Vorschlag, die Zwingli-Kirche in das Kiezfest einzubeziehen, aufgegriffen hat. Der für die Kirche zuständige Pfarrer Christoph Schuppan sucht nach einer neuen Nutzungsmöglichkeit für das Gotteshaus, das vorübergehend als Lager für zahlreiche - größtenteils zerlegte Orgeln - dient. Zwischennutzungen wie die Ausstellung oder die Info-Veranstaltung kommen ihm dabei durchaus recht, da sie die Öffentlichkeit auf das Gebäude aufmerksam machen.

Aber nicht nur die Nutzung der Kirche ist neu für das Kiezfest. Mit dem Rudolfplatz als Festort hat die Veranstaltung erstmals die Grenzen der Oberbaum City überschritten. Fanden die bisherigen Feste noch in einer entkernten Fabrikhalle bzw. auf dem Parkplatz statt, ist man in diesem Jahr mitten in den Kiez gegangen. Bleibt zu hoffen, dass dieses Herauslösen des Kiezfestes aus der Oberbaum City ein gutes Omen für die möglichst lange Fortsetzung des mittlerweile schon fast zur Institution gewordenen Festes ist


Der KultStral – Stralauer Taschenzeitung Nr. 1/2000

RuDi-Kultur – Eberhard Tauchert

Seit dem Bestehen von "RuDi-der Stralauer Kiezladen" haben die kulturell-künstlerische Arbeit und die Selbstbetätigungsmöglichkeiten auf diesem Gebiet bei der monatlichen Programmgestaltung immer einen gewichtigen Anteil. Galerie und Konzerte, speziell das Friedrichshainer Akkordeonfest, Dichterlesungen, Keramikzirkel für Groß und Klein, Märchenzeit, kreatives Basteln und Gestalten oder wiederentdeckte Handarbeiten, Spaziergänge zu den zahlreichen Denkmalen in unserem Kiez oder Stöbern in Berliner Stadtgeschichte ... Die Reihe kann noch weitergeführt werden. Wer und was uns auf dem bisher sechsjährigen Weg alles begegnet ist, es ist erstaunlich und bemerkenswert. Vor allem, wie viele Talente und Künstler in unserem Kiez oder der unmittelbaren Nachbarschaft zu Hause sind.

Die Maler und Grafiker Georg Mohr und Egon Rathke, der Hobbyfotograf Helmut Greif, Andreas Brunn mit seiner Gitarre und Matthias Arndt, Komponist und Texter für eigene Auftritte mit Gitarre und Akkordeon. Und mehrmals im Jahr treffen wir auf neue Gesichter, auf neue kunstinteressierte Bewohner im Kiez. Inzwischen ist das Friedrichshainer Akkordeonfest auch schon Geschichte. Am 30. und 31. Oktober 1999 trafen sich über 50 Musiker, um dem Publikum die Vielfalt der Klangfarben des Instrumentes vorzustellen. Das Spektrum reichte auch in diesem Jahr von "Akkordeon klassisch" bis zu Tango und Musette. Jens Bogedain präsentierte Jazziges und begeisterte damit am 24. November im Jamboree erneut sein Publikum am Rudolfplatz. Und das hoffentlich noch öfter.

Der 9. Dezember brachte erneut Akkordeonklänge im Jamboree zu Gehör; diesmal war Klassisches von den beiden Bajanvirtuosen Prof. V. Bonakow und I. Sokolow vom Moskauer Konservatorium zu hören. Ihre Musik von Tschaikowski bis Bizet brachte uns einen besonders unterhaltsamen Abend.

In der Kiezgalerie ist gegenwärtig Malerei und Grafik von Ivo Janacek ausgestellt. Seine "Gedanken zur Zeitenwende" beschreibt er dergestalt, dass er seine Beklemmungen und Sorgen wegmalen muss. Die Befürchtung des Malers ist: "Es wird ihm aber so wie Kassandra gehen. - Es wird ihm keiner zuhören wollen".

Auf der Kandidatenliste für das neue Jahr stehen schon wieder zwei Friedrichshainer Künstler, die ihre Arbeiten im RuDi vorstellen werden. Doch dazu mehr in der nächsten Ausgabe

Ein weiterer Blick voraus auf eine Lesung im Januar. Am 19.1.2000 kommt Hansgeorg Stengel und bringt eine Auswahl seiner Texte mit.


Der KultStral - Stralauer Taschenzeitung Nr. 2/2000

Kiezgalerie im RuDi

In der Kiezgalerie sind gegenwärtig und noch bis zum 1. März "Einige Blätter aus dem vorigen Jahrhundert" zu sehen. Geschaffen hat sie Gerhard Bläser. Er ist Friedrichshainer und seit Abschluss seines Studiums an der Hochschule für bildende und angewandte Kunst in Berlin-Weißensee vor allem als Illustrator tätig. Viele seiner Leser werden ihn von seinen Arbeiten im "Magazin", in der "NBI" und "Für Dich" sowie von den über 450 Zeichnungen im "Eulenspiegel" kennen. Er hat aber auch zahlreiche Bücher illustriert und einige Briefmarken geschaffen. In der farbenfrohen und frischen Ausstellung im RuDi sind vor allem Buchillustrationen zu sehen. Nehmen Sie sich doch einfach 30 Minuten und schauen im RuDi herein. "Bastian und die Pinguine" oder Programmankündigungen zum Wetterbericht im DFF vermitteln ihnen sogar richtige Wintererlebnisse. E.T.


Der KultStral – Stralauer Taschenzeitung Nr. 3/2000

Eva Strittmatter – nicht nur Lyrikerin – Gabriele Brandt

Frauenfrühstück im RuDi-Kiezladen, Frühstücken in gewohnter Atmosphäre. Wie immer dienstags, war der Tisch lebevoll eingedeckt, und die RuDi-Köchin Angelika hatte wieder ein vielfältiges Angebot leckerer Frühstücksbeilagen bereitgestellt.

Für das Frauenfrühstücksthema wurde das Leben und Wirken der Lyrikerin Eva Strittmatter ausgewählt. In Spannung und voller Erwartung auf eine literarischen Hochgenuss, fanden sich die Frauen des Kiezes, und darüber hinaus, pünktlich ein. Alle sagten sich ein freundliches "Hallo" oder "guten Morgen", mit neugierigen seitwärts gerichteten Blicken zu Frau Friedrich gewandt, suchte sich jeder sein Plätzchen an der Frühstückstafel aus.

Neben Frau Friedrich türmten sich unterdessen Stapel mit unterschiedlichen Buchformaten auf. Alle feinst sortiert nach Erscheinungsjahr und mit kleinen Zettelchen versehen, welche die bevorzugten Lieblingsverse und Gedichte von Frau Friedrich kennzeichneten und für die Rezitation als roter faden vorbereitet wurden. Nach dem ersten Anschein von Sättigung bei allen Anwesenden, ließ Frau Friedrich erst gar nicht langweilige Plauderein aufkommen, sondern leitete die Gesprächsrunde mit Fragen an die Anwesenden ein. Wer ist Eva Strittmatter? Ist sie die Lyrikerin, Mutter, Ehefrau, war sie die vorrangigste und erste Kritikerin der literarischen Werke ihres verstorbenen Ehemannes, Erwin Strittmatter? Somit waren Denkanstöße für eine muntere Gesprächsrunde gegeben. Die Antworten auf diese und weitere Fragen fanden die aufmerksamen Zuhörer aus dem Vorgetragenen schnell heraus.

Ein kurzer biografischer Abriss über das Leben Eva Strittmatters an der Seite des Schriftstellers Erwin Strittmatter, dem Leben auf dem Lande und über ihren beruflichen Werdegang machte uns sensibel für die später vorgetragene Lyrik. Frau Friedrich verstand es sehr gut, allen Anwesenden ihre persönlichen Erlebnisse und Gespräche mit Eva Strittmatter zu vermitteln und alles sehr angenehm mit Rezitationen, aus dem umfangreichen Wirken der Künstlerin, zu umrahmen. Die geschriebenen Worte, auf wunderbare Weise, an uns Zuhörer weitergegeben, hatten eine sehr beeidruckende Resonanz. Nachdenken, Träumen, Erleben und die Lust auf weiteres Gedankengut von Eva Strittmatter in sich aufzunehmen, wurde provoziert.

Danke, Frau Friedrich, für diesen literarischen Vormittag. Eva Strittmatter war zwar fern und uns dennoch so nahe.

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